Natürlich gab es auch vor Zeppelin, Schütte-Lanz und Parceval bereits einige bekannte und weniger bekannte deutsche Luftschiffpioniere, die aber meistens über einen Entwurf oder einer Zeichnung, vielleicht mal eine gefesselte Auffahrt, nicht hinauskamen - ausgenommen Baumgarten und Wölfert - wer waren diese Beiden ?

Ernst Georg August Baumgarten, geb. am 21.Januar.1837 in Johanngeorgenstadt, Erzgebirge, war von Beruf königlich sächsischer Oberförster und leitete von 1871 bis zu seinem Tode 1883 in Grüna/Sachsen, die Oberförsterei. Er war der geniale Luftschifferfinder, der nur den Fehler, wie viele Erfinder vor oder nach ihm auch hatten - er war 50 Jahre zu früh geboren
Im Gegensatz zu bisherigen Luftschiffkonstrukteuren rückte Baumgarten die Gondel dicht an den Rumpf des Ballons heran.
Die Last der Gondel wird nicht nur wie sonst üblich über Außennetze auf den Ballon übertragen sondern zusätzlich durch
Seile, die vom Gondelrahmen ausgehend gasdicht die Hülle durchstoßend den Ballon traversierend innen zum First der Hülle hochlaufen. Diese "Innenaufhängung", die Baumgarten erfunden hat, wird auch heute noch bei Prallluftschiffen und Heißluftluftschiffen verwendet. Mit seinem 5. Modell konnte er beweisen, dass sein Luftschiff lenkbar ist. Die Auffahrt war am 30.07.1879 in Grüna. Baumgarten wurden für seine Erfindungen insgesamt 12 Patente erteilt, davon 7 in Deutschland, je 2 in Österreich-Ungarn und je eines in Frankreich, Belgien und England.

Dr. Friedrich Hermann Wölfert, ist am 17.November.1850 in Riethnordhausen, Kreis Sangerhausen geboren. 1873 gründete
er in Leipzig eine Verlagsbuchhandlung. Es sind über 50 Buchtitel und Zeitschriften bekannt, die er verlegte, z.T. aus eigener Feder. Als er 1879 Georg Baumgarten kennen lernte, begeisterte er sich fortan für die Luftschifffahrt und bot Baumgarten nicht
nur finanzielle Hilfe an, sondern arbeitete aktiv an der Weiterentwicklung der Luftschiffe mit. Er vernachlässigte seine Verlagsbuchhandlung, die ab 1881 von einem anderen Verlag aufgekauft wurde.





Ernst Georg August
Baumgarten




Dr. Friedrich Herman
Wölfert

Ihr erstes gemeinsame Luftschiff, das "Dreigondelluftschiff" stieg am 31. Januar 1880 erstmals in Leipzig-Plagwitz auf. Jedoch endete die Auffahrt mit einem Unfall, es wurde aber niemand verletzt, jedoch das Luftschiff wurde zerstört.
Baumgarten bekommt mit seiner königlichen Behörde immer größere Schwierigkeiten, denn diese möchte ihren Oberförster auf dem Boden im Wald sehen und nicht in der Luft. Deswegen werden die weiteren Arbeiten an neuen Luftschiffen und deren Auffahrten unter dem Namen Wölferts durchgeführt.

1881 wurden weitere Modelle gebaut, mit denen Versuche angestellt wurden, die vielversprechend waren. Alle Modelle, aber
auch die später von beiden erbauten größeren Luftschiffe, waren sogenannte Prallluftschiffe, in denen die Erfindungen
Baumgartens
zum tragen kamen.

Auffahrten in Leipzig, Chemnitz, Berlin und Dresden zeigten, dass die beiden Luftschiffer auf dem richtigen Weg waren. Nur es fehlte noch der richtige Motor. Versuche anderer Luftschiffer mit Dampfmaschinen, Elektromotoren und Gasmotoren zeigten Baumgarten und Wölfert, dass die Luftschifffahrt nur mit einem leichten, schnelllaufenden Motor betrieben werden kann.
Aufgrund der Aktivitäten der beiden Luftschiffpioniere wurde am 31. August 1881 in Berlin der "Deutsche Verein zur Förderung
der Luftschifffahrt" gegründet.

Baumgarten stirbt am 23. Juni 1884. Dr. Wölfert setzt die Versuche allein fort, baut ein neues Luftschiff und nennt es DEUTSCHLAND. Er macht Auffahrten in Berlin Hasenhaide. Natürlich immer noch ohne Motor, denn der war noch nicht
erfunden.

Am 15. Oktober 1887 hören wir von einer Auffahrt Wölferts in Dresden - wieder mit einer Neukonstruktion. Die "Leipziger
Illustrierte Zeitung" berichtet darüber sehr ausführlich und bildet sein "muskelbetriebenes" Luftschiff, sowie das Projekt eines Kriegsluftschiffes ab. Bei beiden ist gut zu erkennen, dass die Luftschiffe System Baumgarten - Wölfert mit zwei Propellern versehen sind, ein Propeller für die horizontale und ein Propeller unter der Gondel für die vertikale Fahrt. Durch diesen Zeitungsartikel wird Gottlieb Daimler aus Cannstatt auf ihn aufmerksam. Er hat seinen neuen Benzinmotor bereits für die
Luftfahrt patentieren lassen und lädt Wölfert nach Cannstatt ein.

Ein Meilenstein in der Luftfahrt-Entwicklung: Wölfert und Daimler bringen 1888 den Benzinmotor ein.

Am 10. August 1888 ist der denkwürdige Tag. Ein Luftschiff System Baumgarten - Wölfert steigt, erstmals angetrieben mit einem Benzinmotor von Gottlieb Daimler, aus dem Hof der daimlerschen Fabrik in Cannstatt auf und landet auf der Gemarkung in Aldingen (Remseck).

Weitere Auffahrten mit dem Motor folgen am 27. September 1888 in Cannstatt und 10. November 1888 in Ulm. Augsburg,
München und Wien waren die nächsten Stationen Wölferts. Wölferts Finanzen gehen zu Ende. Er verlegt sein Domizil wieder
nach Berlin und verhandelt mit der Militärluftschifferabteilung, um sein Luftschiff für militärische Zwecke anzubieten.

Erste Motorluftpost der Welt: 1896 will er auf der Berliner Gewerbe Ausstellung sein Luftschiff, wieder auf den Namen DEUTSCHLAND getauft, vorführen. Ein Gönner stellt ihm 50 000 Mark für den Bau einer Luftschiffhalle zur Verfügung, in dem
das Luftschiff zur Schau gestellt wurde. Er macht mindestens drei Auffahrten mit einem neuen stärkeren Motor von Daimler, die erfolgreich waren. Am 20. Mai 1896 kann er sogar den ersten Höhenrekord für Luftschiffe mit 1940 m aufstellen. Bei weiteren Auffahrten hat er auch Post befördert, von denen 8 Belege bekannt sind.

Am 6. März 1897 findet eine Auffahrt auf dem Tempelhofer Feld statt. Das Militär hatte ihm die Füllung Wasserstoffgas für 300 Mark zur Verfügung gestellt. Auch diese Auffahrt war gelungen.

Die letzte Auffahrt und Absturz:

Aufgrund der Erfolge in 1896 und 1897 bekam Wölfert wieder Unterstützung von der Militärluftschifferabteilung. Zur Auffahrt waren das Militär, sowie geladene Gäste, wie die Gesandten Griechenlands, Chinas und Japans.
24 Soldaten führten das Schiff auf das Feld. Wölfert und sein Monteur Knabe warfen den Motor an. Die Soldaten nahmen noch Ballast ab, bis das Schiff ausgewogen war. Die Brennerflamme, die die Glührohre des Motors aufheizen, schlagen mehrmals
weit hoch. Trotzdem gelang der Start bis auf etwa 500 bis 600 m. Plötzlich laufen Flammen hoch zum Rumpf, eine Detonation folgt, die weithin zu hören ist. In einer Flammensäule sinkt das Schiff zu Boden, die brennende Gondel löst sich von der
lodernden Hülle und stürzt auf den Holzplatz der Zimmerei Höltzel & Trenner. Wölfert und sein Begleiter Knabe waren sofort tot. Das war das Ende der Ära Baumgarten - Wölfert - drei Jahre später begann die Ära ZEPPELIN!

Günter O. Schulz, Rottweil

Nachsatz:
Günter O. Schulz ist der Urenkel von Dr. Wölfert. Er und sein Cousin Gerhard Krüger haben seit 1978 das Leben und Lebenswerk Wölferts erforscht und Unterlagen aus ganz Europa zusammengetragen. Natürlich sind sie immer noch daran interessiert, neues über Wölfert zu erfahren. Info: G.O-Schulz@t-online.de

An dieser Stelle möchte ich mich nochmals recht herzlich bei Herrn Günter O. Schulz für diesen Bericht bedanken!

Über beide Luftschiffer sind empfehlenswerte Bücher geschrieben worden:
GEORG BAUMGARTEN - ein sächsischer Flugpionier, 1988
Horst Teichmann, Ellefeld.
Zu erhalten in der "ständigen Gedenkausstellung Baumgarten - Wölfert" in Grüna bei Chemnitz. Tel. und Fax: 0371/850913

DIE MOTORLUFTFAHRT BEGANN VOR HUNDERT JAHREN, 1988
Peter Kleinheins, Esslingen.
Leider vergriffen. Einige Exemplare werden unter WWW.ZVAB.de angeboten.